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Gewahrwerden statt Verbessern-Wollen

Wichtig für Einsteiger zum Verstehen von Selbsterkenntnis anstelle von psychologischem Gebastel

Um Selbsterkenntnis verstehen und ausüben zu können, muß zuerst die Bedeutung des folgenden verstanden und verinnerlicht werden: Hinschauen und Gewahrwerden.

Die Bedeutung des Gewahrwerdens

Hinschauen ist das bloße Beobachten der eigenen Denkweisen, Gefühle und Handlungen.

Gewahrwerden ist das Betrachten (etwas ist so oder so) der eigenen Denkweisen, Gefühlen und Handlungen, im Sinne von Registrieren. Das Gewahrwerden (man kann ja auch etwas beobachten und es nicht wahrhaben wollen) wird mit dem neutralen Beschreiben bekräftigt, wie es z.B. mittels eines Selbsterkenntnis-Tagebuchs sehr sinnvoll praktiziert werden kann. Hierbei liegt die Gewichtung vor allem auf neutral! Das bedeutet, das Beobachtete

  • nicht zu bewerten (weder in positiv oder negativ),
  • es nicht einzuordnen oder zu kategorisieren,
  • es auch nicht sonstwie geistig zu reflektieren, Bezugspunkte zu suchen, es mit irgend etwas zu vergleichen, es zu analysieren oder Geschichten daraus zu machen.

Alles das sind Flucht-, Ausweg-, Vermeidungs- und Vertuschungsreaktionen. Diese stellen im Alltagsleben die Norm dar, und da man sie lebenslang gewohnt ist, ist die Gefahr groß, wieder auf sie zurückzufallen.

Beim Hinschauen und Gewahrwerden soll man sich Zeit und Ruhe nehmen. Beobachten und ernsthaftes Hinschauen kann nur durch innere Stille und Innehalten geschehen. Nun wird auch klar, warum das Entrümpeln immer und vor allem anfangs so eine wichtige Rolle spielt. Ablenkungen durch Unerledigtes wird der Verstand liebend gerne annehmen, um sich zu flüchten und nicht mit den Selbstbeobachtungen zu beginnen. Weiterhin ist auch zu beobachten, welche Manöver und Ablenkungen der Verstand sich noch schafft, um auszuweichen (häufige Beispiele: Telefonieren, Freunde treffen, Medienkonsum, Süchte, Tagträumerei, sich selbst hetzen, ständiges Internetsurfen usw.; diese Liste muß jeder bei sich selbst aufdecken).

Der Änderungswunsch als Puffer

Die erste automatische Reaktion des Egos auf etwas, das beobachtet wird, ist der Änderungswunsch. Dieser Änderungswunsch führt aber nicht zur Änderung (denn eine Änderung würde das Vorhandensein einer Instanz voraussetzen, die das eigene Verhalten ständig gezielt steuern könnte), sondern er ist ein typischer Puffer. Außerdem ist er selbst wiederum eine Folge der Reaktion des Verstandes auf das Beobachtete, und der Verstand funktioniert über Bewerten und Schlußfolgern. Diesen mechanischen Ablauf gilt es zu erkennen und zu durchbrechen (Erkennen ist hier gleich Durchbrechen). Damit wird auch die Mechanikalität der Persönlichkeit unterminiert. Echtere Gefühle und Empfindungen steigen auf.

Umstellung

Hinschauen und Gewahrwerden fällt jedem schwer, der mit der echten Praxis der Selbsterkenntnis beginnt. Denn es hat nichts mit dem gewöhnlichen Leben zu tun. Schon bei diesem ersten Schritt kommen wir mit unserem falschen Selbstbild in Berührung, und das Ego schaltet sich ein. Das Ego reagiert auf jede Anregung zum Hinschauen und Gewahrwerden mit einer ganzen Palette von Tricks wie Rationalisierung, Projektion, Vermeidung und Verleugnung. Gerade an diesen Reaktionen erkennt man es – aber einem Anfänger in diesem Bereich fällt das naturgemäß erst einmal schwer, weil er ja lebenslang auf diese Tricks hereingefallen ist und sie für bare Münze genommen hat.

Umgang mit eigenen Beschränkungen

Bei der Beschäftigung mit Selbsterkenntnis kommt man unweigerlich zu dem Punkt, an dem die eigenen Beschränkungen und Unzulänglichkeiten sichtbar werden, und das kann mitunter auch sehr unangenehm oder peinlich sein. Die Frage ist dann, wie man damit umgeht.

Es ist wichtig zu verstehen, daß es nicht darum geht, sich zu überwinden, zu verbessern oder zwanghaft zu ändern (→ Mit sich kämpfen, → Schädlichkeit des Mit-sich-selbst-Kämpfens). Das sind eigentlich nur Fluchtversuche, statt sich dem eigenen Sein ungeschminkt gegenübergestellt zu sehen. Klarheit und Selbstwertschätzung sind nötig, um diese Schwächen als einen Teil der eigenen Erscheinung annehmen zu können, statt an der eigenen Persönlichkeit zu leiden.

Wenn die eigenen wunden Punkte sichtbar werden, kann das auf zweifache Weise nützlich sein:

  1. Tieferes Verständnis: Es kann dann untersucht werden, durch welche Mechanismen diese Aspekte bisher verdrängt oder kompensiert wurden.
  2. Stärkung des Ausdrucks des Wesenskerns: Erst durch das Annehmen, wie man ist, kann Authentizität entstehen. Nachdem die eigenen Schwächen unbefangen gesehen werden, können aus diesem Wissen äußerliche Handlungen auf viel natürlichere Weise fließen.

Es wird dann keine Energie mehr an Puffer oder Anpassungen an Erwartungen anderer verschwendet.


Sina Holmer 14.11.2008 15:50
Gerd-Lothar Reschke 16.11.2008 19:37 (aus Spielwiese eingestellt und ein paar Kleinigkeiten korrigiert)
Marco 15.1.2008 21:33
Gerd-Lothar Reschke 17.4.2009 08:16 (Titel geändert, bearbeitet, Abschnitt „Der Änderungswunsch als Puffer“ zugefügt, Marcos Text „Umgang mit eigenen Beschränkungen“ integriert)
Gerd-Lothar Reschke 01.10.2011 22:31 (in öffentlichen Namespace transferiert)
Gerd-Lothar Reschke 05.10.2011 10:15 (geändert)
Gerd-Lothar Reschke 12.12.2018 16:48 (umkopiert)

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gewahrwerden_statt_verbessern-wollen.txt · Zuletzt geändert: 30.03.2019 11:41 von gerdlothar

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