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Moral

"Gut" und "böse"

Jeder Mensch wird in eine Gesellschaft hineingeboren und von Anfang an dazu erzogen, gewisse gesellschaftliche Regeln einzuhalten. Die Summe dieser Regeln nennt man dann „Moral“.

In den allerseltensten Fällen wird dabei der Sinn derartiger Regeln in Frage gestellt. Zum einen liegt das daran, daß Menschen, die sich der herrschenden Moral entsprechend verhalten, von ihren Mitmenschen dafür belohnt werden, etwa durch gesellschaftliche Anerkennung, die auch durchaus mit ganz handfesten materiellen Vorteilen einhergehen kann. Wer sich allerdings nicht in diesem Moralsystem zurechtfindet und sich entsprechend verhält, muß Nachteile in Kauf nehmen — was ihn wiederum dazu nötigen wird, sich möglichst konform zu verhalten. Kurzum: Das System der Moral erfüllt in erster Linie den Zweck, die Menschen in „gut“ und „böse“ einzuteilen, in „wert“ und „unwert“, den Zweck also, den Menschen ein bestimmtes Verhalten aufzuzwingen.

In jedem Falle aber — egal ob es sich um „Gewinner“ oder „Verlierer“ der Moral handelt — ist das Individuum ständig damit beschäftigt, sein Handeln in positive oder negative Übereinstimmung zur allgemeinherrschenden Moral zu bringen. Dadurch verlernt er, aus sich heraus zu handeln, sondern macht sich zur Marionette eines von außen aufgesetzten Systems, dessen Sinn er nicht versteht, nach dem er sich aber dennoch innerlich richtet. Vielleicht spürt er hin und wieder, daß da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, jedoch besitzt er in der Regel nicht die Kraft, diesem Fühlen auf den Grund zu gehen. So bleibt er ein Spielball jener „moralischen Kräfte“, und wird niemals ein frei fühlender Mensch werden.

Moral und Religion

Die Moral steht zumeist unter dem Einfluß der jeweils herrschenden Weltanschauung bzw. Religion. Zentrale moralische Richtlinien betreffen insbesondere die Sexualität, sowie davon ausgehend weitere zwischenmenschliche Umgangsformen.

Moral fördert nicht den freien Ausdruck der Lebenskraft, sondern behindert ihn. Moral macht auch nicht aus Menschen bessere Menschen, indem sie ihnen, wie oft behauptet, besseres („gutes“) Verhalten einimpft und schlechteres („böses“) Verhalten aberzieht. Sondern derartige Denkweisen sind von einer naturwidrigen, kontrollierenden, vom Verstand bestimmten Ideologie (wie beispielsweise den Kirchen- und Sektenreligionen) propagiert.

Moralbefürworter unterstellen stets, daß sich der Mensch ohne Moralkonditionierung zu einem grausamen und gewissenlosen Ungeheuer zurückbilden würde. Von der unbestreitbaren Tatsache, daß die Menschheit in den letzten Jahrhunderten durch Zivilisierung keineswegs gewaltfreier, sondern sogar zunehmend grausamer und naturschädigender geworden ist, wird dabei konsequent abgelenkt.

Der tantrische Ansatz vertraut der Lebenskraft, statt ihr zu mißtrauen, denn er weiß, daß menschliche Natur nicht „böse“ oder „gefährlich“ ist, sondern daß derartige Irrwege und Fehlausprägungen gerade von der Blockierung des natürlichen Energieflusses herkommen.

Moral und Gewissen

Besonders fragwürdig an der Moral ist die Tatsache, daß sie sich anmaßt, einem zutiefst menschlichen Gefühl für das, was „richtig“ und was „falsch“ ist, Genüge zu leisten. Sie gaukelt dem Menschen vor, ein moralischer Mensch habe Anspruch auf ein gutes Gewissen. Die allerschlimmsten Verbrechen der Menschheit wurden stets im Namen des Guten und der Moral begangen. Moral ist ein erstarrtes Regelwerk, das von Menschen geschaffen wurde, die ein handfestes Interesse daran haben, daß andere Menschen sich daran halten.

Das Gewissen hingegen kommt von innen, und zwar in jedem Moment von neuem, indem es zu uns spricht und rät, wie in dieser und jener Situation zu handeln ist. Es spricht dabei nicht in der Form von intellektuellem Für und Wider, sondern als leise, aber dennoch eindeutige Stimme, die allerdings nur der zu hören vermag, der dies gelernt hat. Gewissen ist eine Folge der Berührung mit dem eigenen Wesen. Gewissen ist etwas Lebendiges, Moral etwas Totes.

Gesellschaftliche Moral und eigenes authentisches Empfinden

Moral funktioniert als Deckmantel des Schweigens, unter dem die eigenen authentischen Gefühle und Empfindungen versteckt werden und „politisch korrekt“ maskiert werden.

Wenn moralisches Handeln dem authentischen Handeln vorgezogen wird, ist entweder die Kenntnis und das Gefühl für das eigene Empfinden sehr überdeckt, oder wird von der Angst blockiert, sanktioniert zu werden. Diese unterschwellige Androhung von Strafe bei Nichteinhaltung ist Teil der Moral.

Siehe auch:

Götz Vollweiler, 26.9.2007 („Gut“ und „böse“, Moral und Gewissen)
Marco Holmer, GLR, 27.9.2007, 14.10.2007 (Gesellschaftliche Moral und eigenes authentisches Empfinden)
Gerd-Lothar Reschke (aus TANTRA WIKI) 30.08.2017 15:16
Gerd-Lothar Reschke 30.03.2019 10:25 (Teile aus NR-Wiki einkopiert)

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moral.txt · Zuletzt geändert: 30.03.2019 10:39 von gerdlothar

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