Logo1 Selbsterkenntnis-Wiki

Selbsterkenntnis - Bewußtheit - Selbstentfaltung

Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


uebung_nur_sitzen

GLR Nur Sitzen

Grund- und Einstiegsübung

Sinn der Übung

Es geht hier darum, von der vorhandenen starken Identifizierung mit dem Verstand loszukommen. Dem Unerfahrenen fehlt komplett die Möglichkeit, zwischen sich selbst und Gehirnvorgängen/Gedanken/Ansichten bzw. geistigen Vorstellungen zu unterscheiden — er hält sich automatisch für letztere und nimmt auch alles, was ihm sein Verstand als „Erkenntnis“ eingibt, für bare Münze.

Die Übung ermöglicht eine komplette Abtrennung der Gewahrsamkeit von den innerlichen Abläufen, indem diese nur registriert, aber nicht bewertet oder weitergesponnen werden.

Die richtigen Voraussetzungen schaffen

Das Zeitmaß der Übung muß vorher festgelegt (und dann auch eingehalten) werden. Außerdem ist auf eine ruhige, ungestörte Situation zu achten.

Eine begonnene Übung soll nicht unterbrochen oder abgebrochen werden, schon gar nicht bei Telefon- oder Türklingeln oder -klopfen. Wenn man mit jemand zusammenwohnt, muß man dieser Person erklären, daß man während der Übung absolut ungestört bleiben muß. (Man kann auch ein Schild vor die Tür hängen.) Außerdem sollte man auf keinen Fall während der Übung auf eine Uhr sehen (auch auf keine Sanduhr etc.), sondern einen Piepser zur Benachrichtung über die abgelaufene Zeitdauer verwenden (elektr. Alarmeinrichtung, etwa Eieruhr/Kurzzeituhr).

Äußere Modalitäten

Man setzt sich im Schneidersitz hin (wahlweise mit geöffneten oder geschlossenen Augen: es ist selbst herauszufinden, wie man besser wach und präsent bleiben kann 1) ), vorzugsweise auf einen Teppich, und achtet auf eine gerade Haltung (nicht zusammensinken!). Bewegungen sollen unterbleiben, dazu gehört jegliches Ruckeln, Herumändern am Sitz oder gar Aufstehen.

Dauer: 20-30 Min. (Empfehlung)

Die Übung muß jeden Tag durchgeführt werden, und zwar jeweils zur gleichen Tageszeit.2)3) Empfehlung: morgens nach dem Aufstehen.4)5)

Methode

Der eigentliche Kern der Übung besteht im Aufrechterhalten der Gewahrsamkeit — diese soll sich nicht an die gemachten Beobachtungen heften, sondern sie „wie im Kino“ nur betrachten und nicht darauf reagieren.

Gleitet die Aufmerksamkeit weg (dies geschieht, gerade zu Beginn und in den ersten Wochen, viel häufiger als vermutet), so kehrt man, wenn man wieder aus dem mentalen Tagtraum erwacht, sofort wieder zum weiteren Beobachten zurück.

Nochmals: Man soll sich mit keiner, aber auch wirklich keiner der gemachten Beobachtungen identifizieren, ihnen irgendwie nachhängen, diese kultivieren oder weiterverfolgen etc.! Genau darin liegt der Schlüssel zur richtigen Ausführung.

Warum "Nur-Sitzen" und nicht "Zazen"?

Ergänzung 30.4.2016:

Es braucht keine strikte und sture Zazen-Methodik angewandt zu werden, d.h. es ist nicht nötig, sich zu zwingen, still und in einer bestimmten fixierten Haltung zu sitzen, immer auf dieselbe Stelle zu blicken oder sich anderweitig irgendeinen Zwang anzutun. Man sollte einfach einigermaßen entspannt und bequem sitzen, ohne mit der Haltung kämpfen oder sich sonstige Pflichten auferlegen zu müssen. Es geht einfach darum, still zu sitzen. Man könnte, wenn das für einen sinnvoller wäre, auch mit offenen Augen auf dem Rücken liegen. Die Sturheit und aufgezwungene Disziplin hilft dem Anliegen, um das es geht, nämlich einfach nur im Moment und bei sich anzukommen, nicht, sondern vergrößert nur das Ego, weil man dann meint, man hätte etwas Besonderes bewerkstelligt. Jemand, der auf einer Bank sitzt und nichts tut, und der dann nicht mit inneren oder äußeren Vorgängen identifiziert, sondern im Hier und Jetzt wach und anwesend ist, tut ja auch nichts Besonderes. Menschen, die jahrelang in einem Zen-Club sind und dort Übungen im Ringen um Erleuchtung oder um was auch immer praktizieren, stärken ihr Ego und verlieren mehr, als sie gewinnen. Es gibt nichts Schlimmeres als Esoterik- oder religiösen Dünkel.

Der wichtigste Punkt bei dieser Unterscheidung zwischen „Nur-Sitzen“ und dem, was zumeist unter „Zazen“ verstanden und praktiziert wird, besteht darin, ob man damit etwas erreichen will oder nicht. Im Soto-Zen (Dogen) wird, im Unterschied zum Rinzai-Zen, gesagt, daß es kein Um-zu bei solcher Praxis gäbe. Sie sagen, das Nur-Sitzen ist bereits die Erleuchtung. Es gibt keinen „neuen“ Zustand zu erreichen, mittels irgendeines Tuns oder einer Handlung oder gar einer Technik/Methode/Disziplin. Wer sitzt, „um zu“, hat schon verloren. Der Witz beim Nur-Sitzen ist, daß man im selben Moment schon da ist und nirgendwo anders hinkommen wird oder muß.

Ich habe im Web eine auf Dogen bezogene Darstellung gefunden: siehe Link, dort aber nur den Abschnitt Shikantaza lesen.


Gerd-Lothar Reschke 2010/03/02 10:23
Gerd-Lothar Reschke 04.01.2011 21:57
Gerd-Lothar Reschke 27.05.2015 07:54
Gerd-Lothar Reschke 30.04.2016 08:40

1)
Hat man sich zu einer Art entschieden, muß diese während der Übung aufrechterhalten werden.
2)
Gemeint ist z.B.: im Bereich zwischen 7-7:45 Uhr.
3)
Eine Verlegung z.B. von morgens auf vormittags oder abends darf nur dann vorkommen, wenn unumgänglich.
4)
Falls zusätzlich gejoggt wird, nach dem Laufen und vor dem Frühstück.
5)
Ausnahme: Sa., So. und Feiertage: Dann z.B. auch eine feste Zeit in 1-2 Stunden Zeitabstand, beispielsweise statt 7 Uhr 8 Uhr, aber mit derselben Modalität: vor dem Frühstück.
Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Durch die Nutzung dieser Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, daß Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Weitere Information
uebung_nur_sitzen.txt · Zuletzt geändert: 21.09.2019 08:54 von gerdlothar

© Sämtliche Texte sind urheberrechtlich geschützt. Jeweilige Rechteinhaber sind die Unterzeichner der Beiträge. Näheres siehe Impressum. Bzgl. Einwänden und Beanstandungen (Urheber- und andere Rechte) ebenfalls siehe dort. Impressum | Datenschutz